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Deutschland schafft sich nicht ab |
Deutschland schafft sich nicht ab
Ein Kommentar von Wolfgang Müller, NDR Info
Es ist, alles in allem, ein positives Bild, das diese Studie von der nachwachsenden Generation zeichnet; jedenfalls ist es weit entfernt von den Schwarzmalereien, die derzeit durch die Medien geistern. Und, was noch wichtiger ist: Der behutsame Optimismus dieser Generation wird nicht durch ein Verdrängen der Probleme, durch ein festes Schließen der Augen erreicht, sondern sozusagen im Angesicht der Probleme.
Die Jugendlichen wissen genau, dass die wirtschaftliche Entwicklung unwägbar bleibt, ihr Vertrauen zu den Banken hat sogar deutlich abgenommen, sie kennen auch die Gefahren des Klimawandels. Trotzdem bleiben sie nüchtern und zielorientiert und strengen sich an, um in dieser schwierigen Welt ihren Platz zu erobern.
Hinzu kommen bemerkenswerte Einzelbefunde: Mehr noch als bei der vorigen Studie zeigen sich die Jugendlichen familienorientiert, der Wunsch nach Kindern hat zugenommen; zugleich sagen 90 Prozent, sie hätten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Und, es wird immer schöner, fast drei Viertel möchten ihre Kinder so erziehen, wie sie selber erzogen wurden. Da muss man doch erst mal schlucken, halb aus Freude, halb aus Irritation. Offenbar hat der Hang, sich von der vorigen Generation abzugrenzen, deutlich abgenommen.
Nur leider - jetzt kommt die Einschränkung -, die optimistische Grundhaltung gilt zwar für die große Mehrheit der Jugendlichen, ihnen stehen aber 10 bis 15 Prozent gegenüber, die - so die Autoren der Studie - sozial abgehängt werden. Meist haben sie von Anfang an schlechtere Startbedingungen, wenig Unterstützung im Elternhaus, in der Folge eine schlechte Ausbildung, kaum Berufsaussichten.
Tatsächlich ist dies die große bildungspolitische Baustelle der nächsten Jahre. Wobei längst bekannt ist, wo die Hebel anzusetzen sind. Der wichtigste ist eine frühe Förderung, schon lange vor dem Schulbeginn. Gerade Kinder aus diesen Milieus müssen möglichst früh mit guten Bildungsangeboten in Kontakt kommen. Dann steigt, das haben andere Studien gezeigt, die Wahrscheinlichkeit beträchtlich, dass sie Jahre später mit einem ordentlichen Abschluss aus der Schule gehen. Diese frühe Förderung konsequent durchzusetzen, gegebenenfalls auch mit Sanktionen bei elterlicher Bildungsblockade, das ist und bleibt eine zentrale politische Aufgabe.
Dennoch bleibt festzuhalten: Diese 10 oder 15 Prozent sind nicht die Jugend, sondern sie sind ein schwieriger Teil der Jugend. Es ist jener Ausschnitt der Gesellschaft, der, wenn man ihn allein sieht, zu Untergangs-Szenarien à la Sarrazin führt. Sieht man das ganze Bild, wird deutlich: Deutschland schafft sich nicht ab, es ist sogar, mit einer wachen, leistungsbereiten jungen Generation, auf einem ziemlich guten Weg.